Heimliche Pädagogik – Auf der Bühne fürs Leben lernen
Es beginnt eigentlich immer auf ähnliche Weise. Wenn ein neuer Workshop startet oder sich eine Gruppe neu zusammenfindet, ist der Andrang recht groß. Doch geht es dann darum, sich auf der Bühne vorzustellen, eine kleine Situation szenisch darzustellen, dann werden die Schüler und Schülerinnen, die die Jugendbühne besuchen, immer ganz kleinlaut und tun so, als wären sie gar nicht da.
In diesem Moment ist pädagogisches Fingerspitzengefühl von den Theaterleuten und Sozialarbeitern gefragt. Da muss man sich schon auch mal selbst ein bisschen auf die Schippe nehmen, um das Eis zu brechen. Am leichtesten verlieren Kinder und Jugendliche die Scheu, wenn zur Aufwärmung ein paar Sprachspiele gemacht werden, bei denen alle direkt beteiligt sind, es also keine Zuschauer gibt. Der nächste Schritt ist dann die Improvisation. Auch hier werden viele spielerische Elemente eingebracht. Situationen werden angehalten, Schauspieler ausgetauscht und ein neues Stichwort gegeben, mit dem aus der gleichen Position gestartet werden muss. Die Kids wechseln dabei ständig die Rollen, einerseits auf der Bühne, andererseits aber auch zwischen Akteur und Zuschauer.
Diese Übung dient zwei Zielen: Das wichtigste davon ist, dass die Schüler sich selbst kennen lernen, aber auch in andere Rollen schlüpfen. Es mag zwar auf den ersten Blick nicht so erscheinen, aber auch wenn jemand seinen Lieblingsstar spielt, lernt er etwas. Zum einen ist es so möglich, völlig neue Emotionen wahrzunehmen. Zum anderen aber, und das macht die Aufgabe der Theaterpädagogen gesellschaftlich besonders wertvoll, erhöhen solche Übungen das Empathievermögen allgemein.
Das zweite Ziel der Improvisationsübung ist es, eine Vorstellung vom Talent der jungen Theaterfreunde zu bekommen. Schon bei dieser kleinen Übung zeigt sich, wer eher für Komödien geeignet ist, weil er die Gabe hat, andere zum Lachen zu bringen, und wer dagegen in Dramen besser aufgehoben ist, weil die Emotionen nur so aus ihm heraussprudeln.
Auf dieser Seite soll die Arbeit der jungen Schauspieler, der Helfer, Sozialarbeiter und Pädagogen an Deutschlands Jugendbühnen vorgestellt werden, denn Theater lebt!